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Bild: Peter Weidemann | In: Pfarrbriefservice.de

Katechese zum Glaubensbekenntnis – für Taufgespräch und Gemeindearbeit  

von Pfarrer Stefan Jürgens 

Credo – Ich glaube

Wir nennen das Glaubensbekenntnis „apostolisch“, weil es bis auf die Zeit der Apostel zurückgehen soll. In Wirklichkeit ist es durch einen längeren Prozess entstanden. Die frühen christlichen Konzilien (Zusammenkünfte der kirchlichen Leitungsträger) sahen aufgrund verschiedener Streitfragen die Notwendigkeit, den Glauben zusammenzufassen. Anfang des 4. Jahrhunderts lag der Text des apostolischen (vgl. Gotteslob 3,4) sowie des großen Glaubensbekenntnisses (vgl. Gotteslob 586,2) in der heutigen Fassung vor. Das apostolische Glaubensbekenntnis ist die Taufurkunde aller Christen weltweit; alle Christen sind durch ihre Taufe auf dieses gemeinsame Bekenntnis „eingeschworen“.

Sprache und Symbolik des Glaubensbekenntnisses sind diejenigen der griechischen Antike. Wir denken und sprechen heute anders, müssen das Glaubensbekenntnis also übersetzen und interpretieren, um es wirklich zu verstehen. Wir würden heute unseren Glauben sicherlich ganz anders ins Wort bringen. Dennoch gebrauchen wir diesen einen alten Text und keinen anderen. Wir müssen unseren Glauben nicht erfinden, sondern nur finden. Wir finden ihn vor und wachsen hinein. Die alten Worte stehen dabei für die lange Tradition der Kirche, für den Glauben unserer Vorfahren. Wir bekennen unseren Glauben mit den Worten unserer lebenden und toten Geschwister! Dadurch erhalten sie ihre Würde und Kraft. In der Gemeinschaft – also auch in der Liturgie – verwenden wie den offiziellen Text des Glaubensbekenntnisses. Jeder Christ steht vor der Herausforderung, seinen eigenen Glauben auf persönliche Weise auszusprechen – und vor allem zu leben.

Der eigentliche Inhalt des christlichen Glaubens ist Jesus Christus selbst; von ihm haben alle Christen ihren Namen. Wir glauben nicht nur an die Wahrheit von Sätzen, Formeln und Geboten, sondern wir glauben an eine Person: Jesus Christus. Er ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6). Im Christentum geht es nicht nur um den Glauben, also um das Fürwahrhalten dessen, was Christen glauben, sondern es geht vielmehr um das Glauben als Ausdruck einer Haltung, die sich im konkreten Leben zeigt. Glauben ist ein Tu-Wort! Wie wir als Christen leben, ist für die Weitergabe des Glaubens weitaus entscheidender als was im Einzelnen geglaubt wird – wenngleich beides wichtig ist. Christen glauben und handeln wie Christus.

Gott ist dreifaltig einer

Das Glaubensbekenntnis ist dreigeteilt, es gliedert sich nach dem dreieinigen Gott, dem Vater und Schöpfer, dem Sohn und Erlöser, und dem Heiligen Geist und Lebendigmacher. Jesus nannte Gott seinen Vater; er fühlte sich Gott so nah, dass er eins war mit ihm (vgl. Johannes 10,30). Nach Ostern spürten die Apostel, dass Jesus weiterhin bei ihnen war, durch die Kraft Gottes; diese Kraft aber konnte niemand anders sein als der anwesende Gott selbst. Dass Vater, Sohn und Geist aufs Engste zusammen gehören, dass man die göttlichen Personen weder voneinander trennen noch einfach vermischen darf, haben die frühen Christen schon sehr bald erkannt. Wenn wir heute von Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit sprechen, so müssen wir uns bewusst machen: Auch dies sind menschliche Bilder; auch dies ist keine „Definition“ Gottes, sondern ein Versuch, das Wesen Gottes in denkbaren Begriffen zum Ausdruck zu bringen.

Gott ist die Liebe (1 Joh 4,16) 

Gott ist nicht dreifaltig im mathematischen Sinn: 1+1+1=3. Er ist dreieinig im personalen Sinn: Drei sind eins, sind sich einig. Gott ist dreifaltig einer! So wie er sich uns Menschen gezeigt hat, als Vater, Sohn und Heiliger Geist, so ist er auch nach innen, in sich selber. In ihm selbst gibt es Beziehung. Gott ist Gemeinschaft, er ist die Liebe in Person. Wer liebt, ist Gott am nächsten. Und wo die Gemeinschaft stimmt – auch in der Kirche – da wird sie zu einem Bild jener geheimnisvollen Liebesgemeinschaft, die Gott selber ist. Gott-Vater ist dabei der Gott-alles-in-allem. Jesus Christus ist der Gott-an-unserer-Seite. Und der Heilige Geist ist der Gott-in-uns. „Gott ist mir näher, als ich mir selber bin“, sagt Meister Eckart. „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“, sagt der Apostel Paulus (Römer 14,8).

Ich glaube an Gott …

Glauben ist nicht das Gegenteil von Wissen. Es bedeutet vielmehr „sich festmachen in Gott“ (vom Hebräischen), „vertrauen“ (vom Griechischen), „sein Herz geben“ (vom Lateinischen) und „ein Treueverhältnis eingehen“ (vom Deutschen): Glauben kommt von „geloben“, nicht von „nicht wissen“! Als Christen glauben wir nicht nur, dass Gott existiert; dies wäre bloß eine Vermutung, ähnlich wie wir vielleicht „glauben, dass morgen schönes Wetter wird“. Wir glauben an Gott als Ausdruck seiner Beziehung zu uns und unserer Beziehung zu ihm.

Wir glauben dabei nicht an irgendein „höchstes Wesen“; auch nicht an ein „absolutes Prinzip“, sondern wir glauben an Gott, der ein Jemand ist, der Ich-Bewusstsein hat und für uns persönlich ansprechbar ist; wir glauben nicht an ein „Es“, sondern an ein „Du“. Ich-Bewusstsein und Personalität sind das höchste, was es auf Erden gibt; deshalb kann derjenige, der das alles erschaffen hat, kein unpersönliches „Es“, „absolutes Prinzip“ oder „höchstes Wesen“ sein, sondern er muss mindestens das sein, was wir Menschen sind: Person, Bewusstsein – ein „Ich“, zu dem wir Menschen „Du“ sagen können. Höchstwahrscheinlich ist er noch viel mehr, unbegreiflich, geheimnisvoll, eben – heilig! Nach dem biblischen Zeugnis lautet sein Name Jahwe, der „Ich-bin-für-euch-da“, der Mit-Seiende; der Gott, der Interesse hat am Menschen (vgl. Exodus 3,1-15), ja noch mehr: der uns menschlich nahe gekommen ist in Jesus Christus.

… den Vater

Wir können von Gott nur in menschlichen Bildern und Begriffen sprechen. Glaubenssprache ist analoge Sprache, denn niemand hat Gott je gesehen. Wenn wir zu Gott „Vater“ sagen, dann ist dies Bildsprache. „Vater“ ist ja der Begriff für einen Mann, der ein Kind gezeugt hat. Deshalb kann Gott nicht „Vater“ im wortwörtlichen Sinn sein, denn er ist ja Gott und kein Mensch. Wir nennen ihn „Vater“, weil Jesus ihn so erfahren und genannt hat. Für Jesus war Gott „wie ein Vater“. Jesus hat zu Gott nicht nur „Vater“, sondern sogar „Abba“ gesagt, was soviel bedeutet wie „Papa“. Als Christen leben wir in der Gottesbeziehung Jesu. Auch wir nennen Gott „Vater“, weil Jesus ihn so genannt hat. Wir haben sozusagen einen Glauben aus zweiter Hand, nämlich aus der Hand Jesu. Wir glauben mit dem Glauben Jesu an Gott, der – zu Jesus und zu uns – wie ein Vater ist.

… den Allmächtigen

Wenn Gott allmächtig ist, warum greift er dann nicht ein? Das fragen viele, besonders wenn sie leiden oder wenn etwas Schlimmes passiert ist. „Allmächtig“ (lateinisch „omnipotens“) meint soviel wie „allwirksam“. Gott will uns mit seiner Macht nicht klein machen, aber er ist wirksam unter uns. Er kann alles, was er will, aber er will nicht alles, was er kann. Er lässt uns Menschen die volle Freiheit, zu entscheiden, ob wir mit ihm leben wollen oder nicht; er überlässt uns die Verantwortung, ob wir das Gute tun wollen oder das Böse. Immer wartet er auf die freie Antwort unserer Liebe.

… den Schöpfer des Himmels und der Erde

Dass Gott wirksam ist, sieht man an der Schöpfung. Er hat sie nicht einfach ins Dasein gerufen und dann sich selbst überlassen. Das Leben ist eine ständige Schöpfung, und wir können Gott überall auf der Spur bleiben, wo Leben ist. Dieses Leben ist kein Produkt blinder Naturgewalten, sondern eben – Geschöpf. Das ruft uns Menschen in die Verantwortung: Wenn alles und alle Geschöpf sind, dann bin ich Mit-Geschöpf; dann ist jeder Mensch eine „verdankte Existenz“ und diese Welt ein Geschenk Gottes an uns alle. Auch die Umwelt ist Mit-Geschöpf. Die Ehrfurcht vor dem Leben, die Verantwortung für Welt und Mensch erwachsen aus dem Schöpfungsglauben.

… und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn

Niemand hat Gott je gesehen. Es gibt aber einen, der hat Gott am besten verstanden, hat von ihm am deutlichsten gesprochen und seine Liebe am glaubwürdigsten gelebt: Jesus Christus. Nicht nur, dass Jesus von Nazareth Gott am besten verstanden hat; dann wäre er vielleicht ein überragend guter Mensch mit außergewöhnlicher Gotteserkenntnis. Nein, dieser Mensch Jesus kam von Gott und ging nach seinem Tod und seiner Auferstehung wieder zu ihm, seinem Vater. Gott hat ihn in die Welt gesandt und dann, an Karfreitag und Ostern, auferweckt zum ewigen Leben. Deshalb nennen wir ihn den Christus (griechisch: der Gesalbte; hebräisch: der Messias). Jesus Christus ist er Erwählte Gottes, der Erlöser und Heiland. Weil er von Gott kam, mit Gott lebte und zu ihm auferstand, dürfen wir mit Recht sagen: Jesus Christus ist Gottes Sohn. „Eingeboren“ heißt dabei soviel wie „einzigartig“. Niemand hat Gott je gesehen. Niemand – außer Jesus Christus.

Dieser Jesus Christus verkörpert das unterscheidend Christliche. Alle Religionen kennen einen Gott oder mehrere „Götter“, die im Himmel wohnen und deshalb unerreichbar sind. Alle Religionen verlangen, dass man sich diesen Himmel durch Guttaten und Frömmigkeit selber verdient. In allen Religionen ist das so – außer im Christentum. Unser Gott, der Vater Jesu Christi, thront nicht unerreichbar im Himmel. Er hat Interesse an seiner Welt und ist dort gegenwärtig, wo die Menschen sind. Noch mehr: Er wird selber Mensch, um unser Leben zu teilen, bis zum Tod am Kreuz, jenem letzten erschütternden Erweis seiner Hingabe und Liebe.

Dadurch befreit er uns von der alten religiösen Angst, vor Gott nicht zu genügen und uns deshalb selbst bei ihm beliebt machen zu müssen. Diese Befreiung von der allen anderen Religionen innewohnenden Angst nennen wir – Erlösung. Jesus Christus ist die Mensch gewordene Liebe des Vaters; er macht leibhaft erfahrbar, wer Gott ist; durch ihn ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ein für allemal offenbar geworden. Gott ist nicht unnahbar fern, sondern menschlich nah.

… unsern Herrn

„Herr“ war im Alten Testament eine Gottes-Anrede. Nach der Auferstehung Jesu haben die Jünger und Apostel – und später alle Christen – Christus ihren „Herrn“ genannt. Denn sie wussten: Er lebt jetzt bei Gott, in Gott; er ist jetzt, genauso wie Gott-Vater, der „Herr“.  „Kyrie eleison“ sangen die Bürger von Byzanz, wenn ihr Kaiser von einem Feldzug siegreich heimkehrte; mit „Kyrie eleison“ begrüßen die Christen ihren Herrn Jesus Christus, weil er den Tod ein für allemal besiegt hat. Das kürzeste christliche Bekenntnis heißt deshalb von alters her: „Jesus Christus ist der Herr!“ Manche Zeitgenossen fragen: „Was hat uns Jesus eigentlich gebracht? Ist die Welt durch ihn etwa besser geworden?“ Darauf antworten wir Christen: Jesus war kein Weltverbesserer; Jesus hat uns Gott gebracht! Ohne ihn wüssten wir nicht, wer Gott ist.

Denn ohne Jesus bliebe das Wort „Gott“ eine leere Chiffre, die für alles Mögliche zu gebrauchen und leider auch zu missbrauchen wäre. Auf den Koppelschlössern der Soldaten des ersten Weltkrieges stand noch geschrieben: „Gott mit uns!“ Einen derartigen Missbrauch des Namens Gottes würden wir heute abscheulich finden. Schon damals hätte niemand darauf zu schreiben gewagt: „Jesus mit uns!“ Denn in Jesus wird Gott so konkret, so liebevoll und barmherzig, dass niemand mehr seinen Namen zur Legitimation von Bosheit, Gewalt und Krieg in den Mund nehmen kann. Das bedeutet: Wir Christen können nicht von Gott sprechen, ohne von Jesus zu sprechen. Wir glauben an Gott – wegen Jesus. Denn Jesus hat uns Gott gebracht.

… empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria

Wenn Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, der Herr – was ist dann mit seiner Herkunft? War er dann nicht auch von Anfang an erwählt? War er immer schon Gottes Sohn, von Ewigkeit her? Und wenn ja, müssen dann nicht die Umstände seiner Empfängnis und Geburt außergewöhnlich gewesen sein? Solche Fragen kamen im Urchristentum schon sehr früh auf. Man erzählte sich Geschichten von Maria, der Mutter Jesu, die Jesus empfangen hat durch das Einwirken Gottes. Später nannte man Maria sogar „Mutter Gottes“, weil sie Gottes Sohn zur Welt gebracht hat. Was ist davon zu halten?

Jesus ist und bleibt Gottes Sohn. Dass Gott, wenn er etwas ganz Neues anfängt, in der Lage ist, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen, steht außer Zweifel. Eine jungfräuliche Empfängnis und Geburt stellt für ihn kein „Problem“ dar. Andererseits hat Gott seinen Heiligen Geist in die Schöpfung hinein gelegt, und in dieser Schöpfung gibt es von ihm her nichts Schlechtes, auch nicht die Sexualität. Jesus wäre auch dann Gottes Sohn, wenn er auf ganz normalem Wege von Josef gezeugt und von Maria empfangen und geboren worden wäre. Vielleicht wäre dies sogar der „göttlichere“ von allen „menschlichen“ Wegen.

Das biblische Zeugnis ist eindeutig: Jesus ist jungfräulich empfangen worden, Maria und Josef hatten – zumindest bis zur Geburt Jesu – keinen Geschlechtsverkehr (ob sie zeitlebens in einer „Josefs-Ehe“ lebten, ist auch in der Bibel nicht eindeutig). Doch auch hier gilt: Die Bibel spricht in Bildern, Begriffen und Symbolen, die der Interpretation bedürfen. „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ ist eine bildliche Vorstellung, die eine grundlegende Wahrheit zum Ausdruck bringt: Jesus kommt von Gott! Auch wir Menschen machen die Erfahrung, dass „einem etwas in den Schoß gefallen“ ist. Das bedeutet: Ich habe nichts dazu getan, es war einfach da, es ist wie ein Geschenk auf mich zugekommen. Jesus ist Maria „in den Schoß gefallen“, sie hat selber nichts dazu getan, sie hat sich das „Mutter-Gottes-Sein“ nicht verdient. Jesus war einfach da, er ist durch sie wie ein Geschenk auf die Menschheit zugekommen. Jesus kommt von Gott.

… gelitten unter Pontius Pilatus

Über das Leben Jesu, über seine Worte und Taten sagt das Glaubensbekenntnis nichts. Im Glaubensbekenntnis sind nur jene Eckpunkte ausformuliert, die in der frühen Geschichte der Kirche einmal strittig waren und einer Klärung bedurften. Dass Jesus gelebt und gelehrt, Menschen geholfen und geheilt hat, war immer allen klar; es wurde nie in Frage gestellt und war niemals strittig. So kommt es, dass Jesus im Glaubensbekenntnis, gleich nach seiner Geburt, leidet und stirbt. Weil man damals noch keinen fortlaufenden Kalender hatte, sondern die Jahre nach den Herrschern zählte, hat eine so zwielichtige Gestalt wie Pontius Pilatus Eingang ins Glaubensbekenntnis gefunden. Der Sinn ist: Jesus hat wirklich gelebt, er ist eine historische Gestalt der Menschheitsgeschichte.

… gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes

Der Kreuzestod war ein qual- und schmachvoller Tod. Weil die Menschen Jesu Liebe nicht verstanden haben, wurde er als politischer Aufrührer hingerichtet. Gott aber wollte seine ganze Liebe zeigen, seine Gewaltlosigkeit, Hingabe und Barmherzigkeit. Die Botschaft heißt: Gott kann uns leiden! Wichtig ist: Nicht ein Mensch leidet hier stellvertretend für die Sünden der Menschen; eine solche Vorstellung hätte verheerende Auswirkungen auf das Gottesbild Jesu vom barmherzigen Vater. Sondern: In Jesus leidet Gott an den Menschen – aus lauter Liebe. Unvorstellbar, aber wahr. Sieh auf das Kreuz: Das hat Gott – auch – für Dich getan. So liebt Gott!

Das Glaubensbekenntnis sagt deutlich: Jesus war wirklich tot. Diese Feststellung ist so zentral, dass es gleich viermal gesagt wird. Jesus wurde gekreuzigt – das konnte keiner überleben. Er ist gestorben – wie alle Menschen sterben müssen. Er wurde begraben – seine Leiche wurde in ein Felsengrab gelegt. Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes – eine mythische Vorstellung, die zum Ausdruck bringt: Jesus war wirklich tot. So ist Gott: Er nimmt Leiden und Tod auf sich, um seine Liebe und Hingabe bis zuletzt durchzuhalten.

… am dritten Tage auferstanden von den Toten

Jesus lebt! Gott hat ihn nicht im Stich gelassen; er hat ihm ein ganz neues Leben gegeben, ein Leben, das keinen Tod mehr kennt. Dies ist die zentrale Wahrheit des ganzen Christentums, darum dreht sich alles. Wenn manche sagen: „Ich weiß nicht, ob das wahr ist mit dem ewigen Leben, es ist ja noch niemand zurückgekehrt, um zu sagen, ob das stimmt“, dann können Christen antworten: „Doch, einer ist zurückgekehrt: Jesus Christus. Ihn haben seine Apostel gesehen – und sind für diese Wahrheit selbst in den Tod gegangen. Sie müssen also etwas Unglaubliches erfahren haben: Jesus, den Auferstandenen.“ 

… aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters

Diese Sätze unseres apostolischen Glaubensbekenntnisses enthalten viel Mythologie, d.h. bildlich-symbolische Vorstellungen aus uns fremden Kulturkreisen. „Aufgefahren in den Himmel“ bedeutet nicht, dass etwa der Himmel „oben“ sei, die Erde aber „unten“, und Jesus quasi wie ein Senkrechtstarter abgehoben wäre. Der Himmel ist dort, wo Gott ist, jenseits unserer von Raum und Zeit geprägten Vorstellungskraft (Englisch: „Only God is in heaven, clouds and planes are in the sky“; im Deutschen gibt es leider nur das eine Wort „Himmel“). Gott ist überall zu orten, doch nirgends zu lokalisieren. Wenn Jesus in den Himmel „fährt“, dann bedeutet das, dass er jetzt bei seinem und unserem Vater ist und sein ganzes Leben dahin „mitgenommen“ hat – also auch sein Menschsein und sein Leiden. Wenn er dort „zur Rechten Gottes sitzt“, dann ist dies eine bildliche Vorstellung aus der Antike; der Königssohn und Thronfolger saß immer zur Rechten seines Vaters, des regierenden Königs. Christen bekennen, dass letzten Endes niemand anders als Jesus Christus diese Welt regiert, dass er allein über Zeit und Ewigkeit herrscht. 

… von dort wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Unsere Zeit hat ein Ende, sie läuft nicht einfach immer so weiter. Das Christentum vertritt ein lineares Weltbild: Wir glauben, dass allein Gott Anfang und Ende, Ursprung und Vollendung der Welt ist. Er ist der Weg und das Ziel. Wir glauben nicht, dass die Welt eines letzten Tages untergeht, sondern wir glauben, dass sie eines „jüngsten Tages“ durch Christus vollendet wird. Unsere Erde wird also kein schreckliches Ende haben, wie die so genannte Apokalyptik behauptet, die unentwegt mit dem Weltuntergang spekuliert. Vielmehr werden Schöpfung, Menschheit und Kirche durch Christus in eine vollendete Gestalt hinüber geführt. Wir brauchen also keine Angst zu haben: Am Ende wird alles gut.

Dass Christus dann „richten“ wird, hat frühere Generationen dennoch in Angst und Schrecken versetzt. Mit dem „jüngsten Gericht“ wurde regelrecht gedroht. Im Neuen Testament wird Christus als Richter bezeichnet, der Teufel als Ankläger und der Heilige Geist als Anwalt; es liegt auf der Hand, dass dies nur bildlich-symbolisch gemeint sein kann. Es bedeutet: Durch die Erlösung sind wir, obwohl wir Sünder sind, bereits frei gesprochen, unsere Schuld ist getilgt. Keine böse Macht kann uns noch schaden, der Heilige Geist ist allezeit bei uns. Christus ist also tatsächlich ein Richter, jedoch einer, der nicht verurteilt, sondern freispricht. Er ist Richter, aber nicht Henker. Er richtet nicht zugrunde, sondern er richtet auf. Er richtet zurecht, was wir angerichtet haben und was noch falsch an uns ist. Er richtet alles Verkehrte und macht es wieder heil. Wir können uns fest darauf verlassen: Jesus Christus wird’s schon richten mit dieser Welt. Er lädt ein zum himmlischen Gastmahl: Es ist angerichtet!

Ich glaube an den Heiligen Geist …

Nach der Auferstehung Jesu Christi spürten die Jünger, dass er ihnen weiterhin nahe geblieben ist. Und sie nannten den, der sie ermutigt und antreibt zur Verkündigung des Evangeliums, den Heiligen Geist. Das deutsche Wort „Geist“ ist dabei kein guter Ausdruck; „Atem“, „Hauch“ und „Wind“ (hebräisch RUACH, griechisch PNEUMA) passt eigentlich besser zu jener lebendig machenden Kraft, die wir als die dritte göttliche Person verehren. Die Geist-Kraft ist ja nichts anderes als die Gegenwart Gottes selbst; wenn er seine Kraft gibt, dann gibt er sich selbst. Der Heilige Geist ist die Beziehung, die Gott stiftet; die Liebe, die er gibt; die Gnade, die er gewährt (vgl. Lukas 11,13). Jedes Mal begegnen wir dem einen lebendigen Gott, wenn wir seine Gegenwart spüren und seine Kraft erfahren. Der Heilige Geist ist die Art und Weise, wie Gott in uns lebt und wirkt; er ist der „Gott-in-uns“ (vgl. Römer 8,26). Den meisten Christen fällt es schwer, den Heiligen Geist zu beschreiben oder gar zu „definieren“. Im konkreten christlichen Leben geht es nicht so sehr um sein Wesen, sondern eher um sein Wirken als belebende und ermutigende schöpferische Kraft des immer gegenwärtigen Gottes (vgl. Apostelgeschichte 2,1-13).

… die heilige katholische Kirche

Das Wort „Kirche“ kommt von „kyríake“, „die zum Herrn gehören“; die Kirche ist die „ecclesia“, die Versammlung der Herausgerufenen, also derjenigen, die von Gott berufen sind, Wort und Werk Jesu Christi in der Welt gegenwärtig zu halten – durch die Feier des Glaubens, die Verkündigung des Evangeliums, die Nächstenliebe.

Christen glauben nicht „an“ die Kirche. Sie glauben „an“ Gott-Vater, „an“ seinen Sohn Jesus Christus und „an“ jene göttliche Lebenskraft, die wir den Heiligen Geist nennen. Aber „an“ die Kirche glauben sie nicht. (Dies zeigt die lateinische Fassung des Großen Glaubensbe-kenntnisses ganz genau: „Credo in unum Deum“, „Credo in unum Dominum Jesum Christum“, „Credo in Spiritum Sanctum“, aber „Unam sanctam catholicam“ – „Ich glaube die Kirche“.) Wenn Glauben bedeutet, eine Beziehung zu leben, ein Treueverhältnis, ein Vertrauen, dann ist dies nur mit Gott selbst möglich, nicht jedoch mit der Kirche. Sie ist eine menschliche Gemeinschaft, in der es sehr menschlich zugeht; sie hat aufgrund ihrer Fehler und Macken in ihrer Geschichte schon so ziemlich alles falsch gemacht, was möglich ist. Nur das eine hat sie immer treu getan: Das Wort Gottes überliefern und die heilige Eucharistie feiern. Ohne die Kirche wüssten wir nichts von Jesus.

Die Kirche ist nicht von sich aus heilig. Sie ist eine Kirche der Sünder. Weil aber Gott durch seinen Heiligen Geist – trotz allem – in ihr wirksam ist, ist sie – von ihm her – seine heilige Kirche. „Heilig“ ist also mehr der göttliche Anspruch, der der Kirche innewohnt, als die menschliche Wirklichkeit, von der sie rein innerweltlich gesehen bestimmt ist. „Heilig“ bedeutet dabei nicht „moralisch perfekt“, sondern „von Gottes Geist beseelt“; Heiligkeit ist nicht Tugend, sondern Geschenk. Als Christen glauben wir dank der Kirche, weil wir ohne sie nichts von Jesus wüssten. Wir glauben mittels der Kirche, weil niemand alleine glauben kann. Und wir glauben auch trotz der Kirche, weil sie die Botschaft des Evangeliums oft durch ihre menschlichen Fehler verdunkelt und unglaubwürdig macht.

„Katholisch“ kommt von griechisch „katá holón“, was so viel bedeutet wie „über das Ganze“. Die „katholische Kirche“ im Glaubensbekenntnis ist also nicht die von Rom aus geleitete christliche Konfession; diese trägt den Namen „römisch-katholisch“. Wenn wir von der „katholischen Kirche“ sprechen, dann bekennen wir uns zu der einen Kirche Jesu Christi, die wirklich „weltumspannend“ ist und die – als Folge menschlicher Schuld – in drei große (römisch-katholisch, evangelisch und orthodox) und tausend kleine Konfessionen zerspalten ist. „Ich glaube die heilige katholische Kirche“ – das könnten auch Protestanten und Orthodoxe bekennen. 

Immer muss sich die Kirche am Anspruch Jesu messen lassen, denn sie besteht aus jenen, „die zum Herrn gehören“ und von ihm berufen sind. Weil dies alle Getauften sind, wird das Glaubensbekenntnis bei allen (!) christlichen Taufen weltweit (!) in dieser Form gesprochen; alle (!) Christen sind bei ihrer Taufe darauf „eingeschworen“ worden. Das Glaubensbekenntnis ist damit wahrhaft ökumenisch – so wie die Taufe selbst.

… Gemeinschaft der Heiligen

„Heilig“ sind nicht nur diejenigen, die vom Papst heilig gesprochen worden sind; diese gelten als Vorbilder und sollen Mut zum Glauben und Handeln machen. „Heiligkeit“ ist keine moralische Höchstleistung, sondern Geschenk Gottes. Im Neuen Testament heißen alle Getauften „die Heiligen“. „Gemeinschaft der Heiligen“ ist ein frühkirchlicher Ausdruck für die Kirche selbst; besonders für jene, die durch ihre Teilnahme an der heiligen Eucharistie „Gemeinschaft am Heiligen“ haben.

… Vergebung der Sünden

Jesus hat Sünden vergeben und dadurch Menschen einen Neuanfang ermöglicht. Wenn die Kirche nicht die Gemeinschaft der Perfekten, sondern der Sünder ist, dann soll dort jeder die Botschaft hören und erfahren, dass es Vergebung gibt. Die Vergebung der Sünden beinhaltet auch ein Schuldigwerden-Dürfen. Nicht, dass man leichtfertig Leben, Wahrheit, Besitz und Ehe aufs Spiel setzen und daran schuldig werden soll, „weil einem ja doch wieder vergeben wird“. Sondern, dass keine Schuld zu groß ist, als dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit nicht immer noch größer wären. In der Welt gibt es viele Möglichkeiten, Schuld einzugestehen und Frieden zu schenken – allein durch Gespräch und gegenseitiges Verzeihen. Von Gott her wird Vergebung gewährt durch Gebet, aufrichtige Reue und Versöhnungsbereitschaft. In der Gemeinschaft der Kirche wird durch den Empfang des Bußsakraments die ursprüngliche Taufgnade wieder hergestellt: Wir sind Kinder Gottes, was auch geschieht. Wir bleiben stets Schwestern und Brüder Jesu.

… Auferstehung der Toten

Die Auferstehung der Toten ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Christentums. Wenn Christus auferstanden ist, dann werden auch wir auferstehen (vgl. 1 Kor 15). Wie aber kann man sich das vorstellen? Wir sehen doch, dass der Leib im Tod zerfällt! Es bleibt im Letzten ein Geheimnis, doch einige Anhaltspunkte seien genannt. Durch den Stoffwechsel verändern sich die Moleküle unseres Körpers stetig. Etwa alle sieben Jahre sind wir, biologisch und chemisch gesehen, fast völlig neue Menschen. Dennoch wird jeder sagen: Ich bin immer noch ich, meine Identität ist dieselbe geblieben. Es gibt also „etwas“ außerhalb unserer leiblichen Erfahrung, das Einmaligkeit verleiht. Die von dem griechischen Philosophen Platon her inspirierten Theologen nannten dieses „etwas“ die vom Leib getrennte „Seele“, die zu Gott aufersteht; „Seele“ ist in der Bibel jedoch ein Begriff für den ganzen Menschen, für sein Wesen. 

Von daher ist es besser, von „Identität“ zu sprechen: Meine Identität, meine unverwechselbare Einmaligkeit wird von Gott zu neuem Leben auferweckt. Aber auch das, was meine „Leiblichkeit“ geprägt hat, wird nicht einfach untergehen. Der „Leib“ ist ja mehr als Haut und Knochen; er ist mein Kontakt zur Welt, er steht für meine Lebensgeschichte und meine Beziehungen, für alles, was ich im Leben geschaffen habe. Nichts davon wird bei Gott verloren sein. „Mit Leib und Seele auferstehen“ heißt: ganz und gar in Gott aufgehoben und vollendet sein, mit Identität und Geschichte. Dazu braucht es einen Neuanfang von Gott her: Der Mensch ist nicht von sich aus unsterblich, sondern nur durch die Gnade Gottes in Jesus Christus. Nicht wir werden aus uns heraus zum neuen Leben auferstehen, sondern Gott wird uns von sich aus zum neuen Leben auferwecken.

… und das ewige Leben.

Durch den Glauben an Jesus Christus haben wir die sichere Hoffnung, einmal für immer bei Gott zu Hause zu sein. Wir sind zuversichtlich, dass wir auferstehen werden, können aber noch nichts darüber sagen, wie es sein wird. Das können wir nicht, weil wir nur in Raum und Zeit denken können. Wie sollen wir etwas denken, was jenseits von Raum und Zeit liegt? Wie soll der Mensch Gott selbst und seine Ewigkeit zum Gegenstand seines Denkens machen? 
Was wir sagen können, ist dies: Die Hoffnung auf das ewige Leben hat Auswirkungen auf das irdische Leben davor. Man soll den Christen „jetzt schon“ ansehen, dass sie an das ewige Leben glauben: Weil ich ewig sein werde, muss ich mein Leben nicht ängstlich auspressen. Ich muss nicht alles herausholen, was womöglich drin steckt. Ich brauche nicht egoistisch zu sein, sondern kann mein Leben an andere Menschen verschenken. Weil das Eigentliche noch kommt, muss ich nicht eilig durch meine Jahre hetzen. Durch die Hoffnung auf das ewige Leben habe ich auf Erden mehr Zeit. Ich kann im Vorletzten gelassen sein, weil ich im Letzten geborgen bin.

Amen.

Das bedeutet: Ich stimme zu. Ja, so sei es! Dieses Bekenntnis soll meinen Glauben ins Wort bringen. Auf dieses Bekenntnis bin ich durch die Taufe „eingeschworen“, bin in die Gemeinschaft der Christen „hineingetauft“. Der lebendige und liebende dreifaltige Gott soll mein Leben bestimmen. 

Eine Kurzformel des Glaubens 

Das offizielle Glaubensbekenntnis der Kirche, das sich über Generationen und Jahrhunderte bewährt hat, muss durch mein eigenes Glauben eine persönliche Note bekommen. Was glaube ich? Wie glaube ich? Wer ist Jesus für mich? Das kürzeste Glaubensbekenntnis lautet: „Ich glaube Jesus seinen Gott!“ Was zuerst wie falsches Deutsch klingt, so als sei der Genetiv wirklich dem Dativ sein Tod, das zeigt sich als treffliche Kurzformel des Glaubens. „Ich glaube ihm – Jesus – seinen Gott!“ Das bedeutet: Ich glaube ihm. Ich glaube, dass er von dem Gott sprach und mit dem Gott lebte, der wirklich Gott ist. Jesus hat Gott gelebt, er hat mir Glauben vorgemacht, ich glaube mit seinem Glauben. Mein Glaube ist sozusagen aus der Hand und dem Herzen Jesu. Ich glaube Jesus seinen Gott – das genügt.
 

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